Zen

 

” Den Buddha-Weg erforschen bedeutet sich selbst erforschen.

Sich selbst erforschen bedeutet sich selbst vergessen.

Sich selbst vergessen bedeutet das Bezeugtwerden

von einem selbst in allem Seienden. “

 

 Dogen

 

Der japanische Zen-Buddhismus kam ursprünglich aus China. Dort wurde er vom indischen Mönch Bodhidharma (jap.Daruma) Anfang des 6. Jahrhunderts eingeführt. Um Bodhidharma ranken sich viele Legenden, deren Wahrheitgehalt historisch nicht mehr zu rekonstruieren ist, auch ist seine Bedeutung als alleiniger Gründer des Zen in China umstritten. Wörtlich übersetzt bedeutet Zen bzw. Ch`an  Meditation. Beim Zen-Buddhismus wird also besonderen Wert auf die Meditationspraxis gelegt. Dem Studium der Schriften (Sutren) und philosophischen Auslegungen, wie es für den ursprünglichen indischen Buddhismus charakteristisch ist, steht Zen eher skeptisch gegenüber. Eisai (1141-1215) war der Erste, dem es gelang Zen in Japan dauerhaft einzuführen. Er gilt als der Begründer des Rinzai-Zen, obgleich er es zu seinen Lebzeiten noch nicht völlig als eigenständige Schule vom esoterischen Buddhismus lösen konnte. Dogen (1200-1253) war der Begründer des Soto-Zen in Japan. Als dritte Schule gibt es noch den Obaku -Zenbuddhismus.

Der jeweilige Meister einer Schule versucht den Schülern mit Hilfe von Meditation und z. T. mit Koans (Rinzai) die gewöhnliche dualistische Weltsicht auszutreiben. Der Soto Zen kann hauptsächlich als „ Nur-Sitz“ – Methode bezeichnet werden, wobei der eigene Körper das Meditationsobjekt darstellt. Im Rinzai-Zen ist zusätzlich noch die Koan Methode üblich. Ein Koan ist eine Aussage, die mit Hilfe der gewöhnlichen dualistischen Logik nicht gelöst werden kann. Ein Koan lautet etwa: Wie heißt der wahre Mensch ohne Rang und Namen ? Die Beantwortung dieses Koan steht unmittelbar im Zusammenhang mit der klassischen japanischen Ästhetik.

Die Einsicht, die mit Hilfe der geschilderten Methoden erlangt werden kann, liegt jenseits der Möglichkeit sie mit Worten zu beschreiben, sie ist mystisch. Diese mystische Erfahrung wird als Erleuchtung (jap. Satori) bezeichnet. Da es sich hierbei um keine theoretische Erkenntnis sondern um eine praktische Erfahrung handelt, wird auch gewährleistet, dass das Zen stets lebendig bleibt und nicht in Dogmen erstarrt. Dogen sagt hierzu: In der Erleuchtung wird die unaussprechliche Buddha-Natur erfahren.

Zen-Meister bedienen sich oft ungewöhnlicher Methoden um ihre Weisheit zu vermitteln: Ein Zen-Meister war besonders wortkarg. Seine Schüler beschwerten sich darüber, dass er keine mündlichen Unterweisungen gab. Auf das Drängen der Schüler gab er bekannt, dass er eine Unterweisung geben würde. Die Schüler versammelten sich, der Meister erschien. Er ging zu einem Pult und schlug mit einem Stock auf das Pult, drehte sich um und ging, ohne ein Wort zu sagen, wieder hinaus.

In der Zen-Malerei werden solche Anekdoten dann auch gerne ins Bild gesetzt.

 

hui-neng

 

Der Zen-Patriarch Hui-neng zerreißt die Sutras. Nach einem Gemälde von Liang K`ai (aus Wikimedia commons)

 

Nach der Weltsicht des Zen ist die Sprache nicht nur nicht in der Lage die Wirklichkeit zu erklären, sondern sie verhindert sogar diese Einsicht, denn indem das lebendige Erleben der Wirklichkeit in Worte gekleidet wird, wird automatisch zwischen ich und Nicht-ich unterschieden oder anders gesagt, dem dualistischen Weltbild gefront, das man ja gerade überwinden will. Sprache bzw. Worte sind nach der Sicht des Zen lediglich Zeiger, die auf die Wirklichkeit deuten, wie ein Finger der auf den Mond zeigt, sie sind aber nicht der Mond.

Die Wirklichkeitssicht des Zen ist lebendig, im Moment des konkreten Erlebens gibt es keine Trennung zwischen dem Subjekt und dem Objekt, noch eine Vorstellung davon. Hier gibt es nur das konkrete Erlebnis im Hier und Jetzt. Dieses konkrete Erleben, ist das was Zen als Wirklichkeit nimmt. Erst wenn das konkret Erlebte in Worte gekleidet wird, entsteht Zeit (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), Raum (Beziehung zwischen Subjekt und Objekt) und Kausalität, oder mit anderen Worten der Dualismus und Reduktionismus des Denkens, der die gewöhnliche Weltsicht darstellt. Die Wirklichkeitssicht des Zen ist daher auch keine Philosophie im westlichen Sinn, sondern der Versuch das konkret Erlebte in Worte zu fassen, wohl wissend, dass dies nicht möglich ist.

Nach den Aussagen des 1. Patriarchen des Zen Bodhidharma ist Zen:

Eine Überlieferung ganz eigner Art außerhalb der Schriften, nicht gegründet auf Wörter oder Buchstaben; sie zielt direkt ins Herz der Wirklichkeit, so dass wir in unsere eigene Natur blicken und erwachen können.

Dieses Erwachen zum ursprünglichen Selbst wird im Zen auch als große Befreiung bezeichnet, sie ist gleichbedeutend mit der Überwindung der Subjekt-Objekt Spaltung (im Kapitel Philosophie). Das Ich-Bewusstsein wurde abgeschnitten und das Selbst findet sich folglich in allem Seienden. Alles Seiende schließt natürlich auch die Künste mit ein, wobei Kunst und Leben keine Gegensätze bilden, sondern sich gegenseitig bedingen. Nach dem großen Teemeister Sen non Rikyu ist der Teeweg nichts anders als: ” Feuer zu machen, Wasser zu kochen, Tee zu trinken, und sonst nichts”, oder anders ausgedrückt: Das Profane ist zugleich das Numinose, bzw. Zen ist alltägliches Bewusstsein.

Als ergänzendes Beispiel sei hierzu ein Koan aus dem Mumonkan (Sammlung von verschiedenen Koan) genannt:

Ein Mönch fragt den Zen-Meister Joshu in allem Ernst: Gerade bin ich erst in dieses Kloster eingetreten. Ich ersuche Euch Meister, gebt mir bitte Unterweisung !

Joshu fragte: Hast du schon deinen Reisbrei gegessen ?

Der Mönch antwortete: Ja, das habe ich.

Joshu sagte: Dann wasche deine Essschalen.

Da erlangte der Mönch eine gewisse Erleuchtung.